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Graz als Tor in den Süden – Aufstrebende Startups im CEE-Raum

Die Szene rund um Startups wird immer größer, vielfältiger und lebendiger. Nicht nur in Graz sollen Startups ihre innovativen Ideen erfolgreich verwirklichen können, auch im CEE-Raum – vor allem in Slowenien, Kroatien und Serbien – soll der Boden für Startups fruchtbarer werden.

Von Anna Dunst.

 

Der CEE-Raum umfasst alle mittel- und osteuropäische Länder (Central and Eastern European Countries) und gilt als vielversprechender Startup-Hub. Laut Martin Mössler, dem Geschäftsführer des Science Park Graz (SPG), verfügt der gesamte südosteuropäische Raum über einen exzellent ausgebildeten, hoch motivierten Talentpool sowie über hoch motivierte junge GründerInnen. Mit Graz als Hub – und dem Science Park Graz als treibende Kraft – können im CEE-Raum Projekte mit besonderer Strahlkraft entstehen, so Mössler.

 

Der Science Park Graz bietet allen steirischen AkademikerInnen, die auch ein Teil der Startupszene werden wollen und bereits eine zündende Idee haben, Unterstützung auf dem Weg zum eigenen Unternehmen. Er dient unter anderem als Schnittstelle zwischen GründerInnen, ManagerInnen und InvestorInnen. Die Leistungen des Science Park umfassen professionelle Beratung, Networking und Mentoring, Hilfe bei der Finanzierung und die Bereitstellung von Infrastruktur (z.B. Büroarbeitsplätze, Besprechungsräume, Labore).

 

Unterstützung für südosteuropäische Startups

Grazer Institutionen wie der Science Park wollen die Hubs im südosteuropäischen Raum nach dem Prinzip “Hub & Spoke” (deutsch: “Nabe & Speiche”) unterstützen. Martin Mössler erklärt das Prinzip folgendermaßen:  Viele Speichen führen zu einer Nabe und bilden ein funktionierendes Rad. Es braucht also viele Speichen, um eine Nabe funktionieren zu lassen und ein wirksames Rad zu bauen. ”Das Ziel ist es daher, Graz zu DEM zentralen Startup-Hub in der Region zu machen”, erklärt Mössler. Seit mittlerweile drei Jahren tut der Science Park genau das, indem er Wissen und Know-How vermittelt, Netzwerke schafft, lokale Events bespielt, mit lokalen EntrepreneurInnen zusammenarbeitet und sich bei Initiativen wie den European Youth Awards engagiert.

 

Martin Mössler sieht viele Gemeinsamkeiten zwischen der Gründungsszene im CEE-Raum und jener in Österreich. “Ich sehe hier, ebenso wie dort visionäre GründerInnen. Österreich hat mit Pre-Seed, Seed (AWS) sowie Basisprogrammen wie der FFG ein exzellentes Frühphasen-Fördersystem, welches wohl zu den besten der gesamten EU zählt. Um dieses werden wir weithin beneidet. Derartige Infrastrukturen für Startups existieren in der besprochenen Region nur bedingt. VC’s (Venture Capital) spielen folglich bereits in der Frühphase eine größere Rolle”. Talent, Motivation, große Ziele und Visionen verbinden die österreichische Szene und jene im CEE-Raum. Mössler sagt, es sei ein Privileg für ihn und die von ihm geführte Organisation, ein Teil dieser Dynamik zu sein.

 

CEE-Raum: Diversität in Hubs und Branchen

In Slowenien und Kroatien dominieren Startups in Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechnologie.  Slowenien hat an der Küstenregion zusätzlich zahlreiche mit touristischen Agenden ausgestattete Initiativen. Bosnien hat eine starke Softwareorientierung, insbesondere rund um Mostar. Sarajevo verfügt über Dynamiken im Bereich Fintech. In Serbien gibt es zwei nahezu gleich starke Zentren: eines rund um Belgrad, welches neben klassischen Hochtechnologien stark im Bereich Blockchain Startups operiert, sowie ein Softwarestartup Zentrum in Novi Sad, das von einer sehr innovativen Dynamik geprägt ist. Die Chancen einer guten Etablierung der Startupszene in der CEE-Region schätzt Mössler sehr hoch ein.

“Erfolg zu haben ist nie einfach. Nirgendwo”, fügt er hinzu, “Wesentlich sind Intellekt, Motivation, Zielorientiertheit, Team, Finanzierung sowie die messerscharfe Implementierung einer Lösung in ein funktionierendes Geschäftsmodell.” Man solle außerdem damit aufhören, bestimmte Regionen mit mitleidigem Blick zu betrachten. Vielmehr solle man versuchen, mit allgemeiner Zuversicht ein gemeinsames Ziel der Startupinnovation aufzubauen. “Idealerweise in Graz”, fügt Mössler lachend hinzu. Graz als “Tor in den Süden” zu etablieren; müsse eine gemeinsame Mission sein. Frei von Hindernissen, niederschwellig und vor allem auf  Augenhöhe. “Es gilt ein Angebot zu legen, das gebraucht wird – so funktioniert das Geschäft.”

 

Startuporgas in Slowenien

Vergleichbare Organisationen wie den Science Park oder das IdeenTriebwerk Graz gibt es auch in Maribor oder Ljubljana.  “Wir sprechen hier von exzellenten und kraftvollen Ökosystemen, mit tollen Initiativen, welche teilweise älter sind als so manche lokale Initiative. Das gilt insbesondere für Maribor, wo bereits seit fast zwei Jahrzehnten hochwertige Arbeit geleistet wird, aber auch für Ljubljana. Start:up Slovenia ist als Initiative bereits seit Jahren tätig, und wird wesentlich von Maribor aus gesteuert. Start:up Slovenia und der Science Park Graz arbeiten eng zusammen”, erzählt Mössler. Auch das IdeenTriebwerk arbeitet bereits mit dieser Initiative zusammen. Jedes Jahr findet eine Crossover Edition des Startup Spritzers gemeinsam mit den Startups aus Slowenien statt so zum Beispiel auch im April!

Beim Startup Spritzer im April 2019 waren Startups aus Slowenien zu Gast in Graz – Foto: Chris Wittig

Das Ziel, Graz als zentralen Startup-Hub in der CEE-Region zu etablieren, muss also gemeinsam, mit Zuversicht und Fokus verfolgt werden. Nur so wird es gelingen, die Gründerszene im CEE-Raum und auch Graz als Startup-Hub zu stärken.