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Von Overnight-Success und dem großen Scheitern – Sind Startups salonfähig?

Durch Events, Messen und die zunehmende mediale Berichterstattung steigt der Bekanntheitsgrad von Startups innerhalb der Bevölkerung. Die Zahl der Startup-Gründungen in Österreich nimmt jährlich zu und es wird auch immer attraktiver, Teil der Szene zu werden. Doch welchen Ruf haben Startups in der Gesellschaft und ist es für „Normalos” eine Option, zu gründen?

Von Isabella Deckan.

Wir haben die GrazerInnen befragt, was sie von Startups halten und welche Unternehmen sie kennen. Auf diese Fragen gab es bei unserer Straßenumfrage in Graz ganz unterschiedliche Reaktionen:

Alexander Vogl (25), Fahrzeugtechnik-Student:

Generell halte ich sehr viel von Startups. Es gibt teilweise eher nutzlose, aber auch sehr sinnvolle Erfindungen. Vor allem durch mein derzeitiges Praktikum bei der Mercedes-Benz G GmbH habe ich gemerkt, dass Startups im Bereich der Elektromobilität eine große und wichtige Rolle spielen. Ich könnte mir auch vorstellen, selbst ein Startup zu gründen – dafür fehlen mir bis jetzt aber noch die zündende Idee und die richtigen Partner.

Heidemarie Hochleitner (62), Pensionistin:

Ich verbinde mit Startups hippe, junge Unternehmen mit einer innovativen Idee und dem Mut, etwas zu riskieren. In der Zeitung lese ich ab und zu von Erfolgsberichten von Startups, dadurch kenne ich zum Beispiel Das Gramm oder Die Mehlspeisenfräulein. Vielleicht ist das altersbedingt, aber ich würde mich nicht trauen, ein Unternehmen zu gründen. Die Leute, die eine gute und ausgereifte Idee haben, sollten es aber tun.

Gerwin Fink (43), Mediaberater:

Ich glaube, dass Startups in vielen Bereichen etwas weitergebracht haben, woran klassische Unternehmen vielleicht gar nicht gedacht haben. Ich schaue mir ab und zu Sendungen wie Shark Tank an und verfolge dann auch mit, ob aus der Idee etwas wird oder nicht. Meiner Einschätzung nach ist die österreichische Kultur noch sehr zurückhaltend, was dieses Thema betrifft. Man muss sich wahrscheinlich als Startup derzeit noch ein bisschen mehr beweisen, obwohl es sicher schon leichter geworden ist. Mein Bild ist aber ein äußerst positives.

Tamara Wastl (25), Unterrichtspraktikantin:

Wenn jemand eine Idee hat und etwas daraus machen will, warum nicht? Ich habe den Eindruck, dass diesen Schritt eher jüngere Leute wagen. Manchmal schaue ich die Fernsehshow 2 Minuten 2 Millionen, aber mehr gezwungenermaßen durch meinen Freund. Grundsätzlich kenne ich aber kaum Startups, da ich mich mit dem Thema nicht wirklich beschäftige. Ich kann mir vorstellen, dass ich öfter Produkte und Dienstleistungen von Startups nutze, ohne mir dessen bewusst zu sein.

 

Die GrazerInnen haben ein sehr positives Bild von Startups. Diese Sicht teilen sie mit Bernhard Weber, Geschäftsführer des Zentrums für Wissens- und Innovationstransfer.

Bernhard, wie beurteilst du die Entwicklung und das Image von Startups?

Ich bin seit 2006 in der Startupszene aktiv und seitdem hat sich viel getan. Mittlerweile ist das Interesse gestiegen, die Infrastruktur und Unterstützung haben sich stark entwickelt und es gibt breitenwirksame Awareness-Aktivitäten. Das Thema ist grundsätzlich auch „cool” geworden und bekannte GründerInnen sind heute positive Vorbilder.

Wie schätzt du die Einstellung der Bevölkerung ein?

Für uns in Österreich war der Beamtenberuf lange Zeit das höchste Berufsziel. Es braucht seine Zeit bis sich die Einstellung einer Gesellschaft da ändert. Fakt ist aber auch, dass es keine linearen Arbeitsbiographien mehr gibt. Junge Menschen erkennen das und überlegen, sich etwas Eigenes zu schaffen und einen Impact zu hinterlassen. Solche Dinge sind mittlerweile viel relevanter als noch vor zwölf, dreizehn Jahren.

Bernhard Weber hat schon mehr als 150 Tech-Startups unterstützt und beraten.

Warum werden Startup-Gründungen dennoch oft kritischer beäugt als klassische Unternehmensgründungen?

Das Problem ist, dass der Begriff Startup sehr inflationär und auch oft fälschlicherweise verwendet wird. Das verwirrt die Menschen. Die Medien überhöhen auch gewisse Dinge und dadurch entstehen Erwartungshaltungen, die gar nicht realistisch sind, wie z.B. Overnight Success-Stories.

Welche Rolle spielen dabei Fernsehshows?

Fernsehshows haben auf jeden Fall eine aufklärerische Wirkung und sorgen dafür, dass das Thema einem breiteren Publikum näher gebracht wird. Aber es sind Unterhaltungssendungen, das darf man nicht vergessen.

Gibt es Städte oder Länder, die ein Vorbild sind?

Es gibt sicher Kulturen, in denen das Unternehmertum generell tiefer verankert ist als in Österreich. Von den USA können wir da auf jeden Fall etwas lernen, zum Beispiel den positiven Umgang mit Erfolg, aber auch dem Scheitern und dass man sich nicht verstecken braucht, wenn man erfolgreich ist.

 

Unser Fazit

Sin Startups in Österreich also schon salonfähig? Fest steht, dass Startups immer bekannter und beliebter innerhalb der Bevölkerung werden und sich langsam, aber sicher zum fixen Bestandteil unseres Alltags etablieren. Die Szene in Graz wächst und so auch ihr Ansehen!